Fremdgegangen heißt mitgehangen
Eric Assous' frivole Komödie "Achterbahn" erstickt in der Inszenierung in den Hamburger Kammerspielen förmlich an den Klischees.


Susanne Schäfer und Peter Bongartz in "Achterbahn" an den Hamburger Kammerspielen
Foto: Bo Lahola

Hamburg. Mindestens so alt wie die Ehe ist auch der Betrug. Das Boulevardrepertoire ist randvoll mit großen und kleinen Liebeskatastrophen. Eric Assous' Komödie "Achterbahn" dekliniert das Spielchen aufs Neue durch: reifer, in langjähriger Ehe abgenutzter Mann sucht Kick bei jugendlichem Fleisch. Statt einer turbulenten Auf- und Abfahrt jedoch erlebten die Premierenbesucher in den Hamburger Kammerspielen in Michael Wedekinds Inszenierung, einer Übernahme von der Komödie im Bayerischen Hof, eine schlecht geschmierte Bauchlandung.

Als die Gattin mit dem gemeinsamen Sohn urlaubt, nutzt Pierre (Peter Bongartz) die Gelegenheit, eine zufällige Barbekanntschaft abzuschleppen. Doch so leicht ist Juliette (Susanne Schäfer) nicht ins Bett zu kriegen. Stattdessen schlägt sie mit ihrer Identität immer neue Haken. Was ist sie nun wirklich? Eine Feministin bei der Feldforschung? Am Ende gar eine Professionelle? Die ersten Sätze gehen noch pointiert zugespitzt über die Rampe. Wie ihr seine Wohnung gefalle, fragt Pierre seine sich zierende Eroberung. "Schön grau", kommentiert sie. "Graue Periode." Bald missfallen ihr die Familienfotos an der Wand. Zur Rede gestellt, enthüllt Pierre, er sei "als Ehemann noch im Amt". Anders lasse sich eine jahrzehntelange Ehe nicht überstehen. Hinterher wird die Gattin mit teuren Geschenken befriedigt.

So weit die ollen Klischees, die längst im Theaterkanon Wurzeln geschlagen haben. Wenn Juliette den Spieß von der Eroberung zur Macherin mit Hintergedanken langsam umdreht und der ach so selbstgewisse Fremdgeher dabei ziemlich alt aus der Wäsche schaut, zählt das noch zu den besseren Momenten, bei denen ein wenig Wortwitz durchschlägt.

Mal legt Juliette ihre Handtasche ab, mal nimmt sie sie auf. Bleiben und den Seitensprung durchziehen oder gehen? Das ist hier die allzu banale Frage. Die überdeutliche szenische Metaphorik macht das Ganze nicht origineller. Nach der Pause ist das Handlungspulver verschossen. Am Ende von Juliettes Volten, die hier als einzige Loopings drehen, entpuppt sich "Achterbahn" als Drama eines verlassenen Kindes. Das ist dann doch eine Umdrehung zu viel. Lacher gibt es kaum noch. Entsprechend abgeschlafft fällt der bestenfalls höfliche Applaus der Premierenbesucher aus.

Man fragt sich schon, weshalb der französische Altstar Alain Delon dieses Stück angeblich so liebt. Dabei hatte Autor Eric Assous, bevor er Delon erwärmte, Probleme, einen Hauptdarsteller für die Pariser Uraufführung zu finden. Den meisten war die Figur einfach zu schlüpfrig. Peter Bongartz griff zu. Und immerhin gelingt ihm die überzeugende Studie eines Macho-Ekels. Susanne Schäfer kann auch mit allen Mitteln der Kunst ihrer unter Klischees ächzenden Figur keine Glaubwürdigkeit abringen. Wer Achterbahn fahren will, geht besser auf den nächsten Dom.

Hamburger Abendblatt

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