Gehobener Boulevard
München (DK) Ein bisserl schütter ist das Haar bereits, grau ist es sowieso. Die Altersfalten im Gesicht sind unübersehbar und die Körperhaltung ist leicht gebeugt, doch der Anzug ist topmodisch. Pierre gibt sich reichlich Mühe, sein jugendliches Auftreten samt federndem Gang von früher, als er noch ein fescher Bursch war, zu reaktivieren. Denn Jeannette hat er in einer Bar angebaggert. So ganz jung und attraktiv – wie Pierre es gerne gesehen hätte – ist sie zwar nicht, kein Model-Püppchen jedenfalls, wie er es sich in seinen geheimsten Träumen eigentlich gewünscht hätte. Aber schließlich ist sie ja nicht ganz abgeneigt, mit dem Schwerenöter ein amouröses Abenteuer einzugehen und die Nacht mit ihm zu verbringen. Pierres Gattin ist für ein paar Tage im Skiurlaub: Sturmfreie Bude also in der absolut cool durchgestylten Designerwohnung (Bühnenbild: Thomas Pekny) des älteren Lovers.

Als idealer Gastgeber umtänzelt und umschwänzelt der Hausherr seine erhoffte "One-Night-Stand"-Eroberung und versprüht seinen Charme (eine Paraderolle für Peter Bongartz). Doch Jeannette mimt zunächst die Unschuld vom Lande, um sich bald als Prostituierte zu entpuppen, die den alten Herrn nur kräftig abzocken möchte. Aber auch diese Rolle ist nur aufgesetzt, denn die rätselhafte Barbekanntschaft (herrlich wandlungsfähig gespielt von Susanne Schäfer) outet sich schließlich als investigative Journalistin. Für eine Frauenzeitschrift soll sie für die ganz große Story "Das seltsame Tier: Der Mann" recherchieren – und Pierre ist ihr erstes Opfer. Klar, dass der damit Konfrontierte zwar langsam den Überblick, aber nicht die Lust auf ein Schäferstündchen verliert. Folglich ist auch ein Happy End in dieser erotischen, mit geistreichen Bonmots ebenso gespickten wie flott abschnurrenden Krimikomödie angesagt, samt einem durchaus unerwarteten Schluss, der hier freilich nicht verraten sei. Nur soviel: Das Leben ist wie die Titel gebende Achterbahn – und das Ende melodramatisch bis leicht kitschig.

Aber so ist halt das Genre der Reality-Soaps, zumal wenn dieses Zwei-Personen-Stück des französischen Autors Eric Assous von Michael Wedekind so spritzig-witzig inszeniert ist und von Susanne Schäfer und Peter Bongartz so authentisch gespielt wird wie hier. Kurzum: Eine rundum gelungene Aufführung für alle Freunde des gehobenen Boulevards in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof. Herzlicher bis frenetischer Applaus des Premierenpublikums.

donaukurier.de, 18.03.2010
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