Zwischen Dramödie und Koma
Meggen. Was war das nun, was wir am Sonntag Abend im Theater der Lennestadt gesehen haben? Das Stück „Achterbahn” von Eric Assous machte seinem Namen alle Ehre:

Ein Auf und Ab der Gefühle, ein Hin und Her von zäher bürgerlicher Philosophie und rasanter Rhetorik-Brillanz, ein Looping suboptimalen Unterhaltungswertes und rasanten Sprachwitzes. Auf gleichbleibend hohem Niveau hingegen die Protagonisten Sie und Er, Susanne Schäfer und Peter Bongartz, die unter der Regie von Michael Wedekind dank ihrer großen Schauspielkunst das Letzte aus dem Stückchen herauskitzelten.

Spielchen bis zum Vernichtungsfeldzug

Frau verreist, Mittsechziger allein in einer Bar. Junge Frau. Gegenseitiges Anbaggern, dann bereitwilliges Abschleppen in die Strohwittwer-Behausung. Vor dem Seitensprung rhetorischer Schlagabtausch. Er - auf seine Art - ehrlich. Ein bisschen Sex, ein bisschen Kuscheln. Dass muss es aber auch gewesen sein. Weil Gattin wird ja irgendwann mal aus dem Urlaub zurückkommen. Sie - kokettierend, abweisend, lockend, lügend, charmant, frostig, usw. - spielt ihre Spielchen mit ihm. Die sich schließlich zum moralischen Vernichtungsfeldzug auszuweiten scheinen.

Spagath

Aber eben alles ein bisschen nett. Genauso weichgespült wie die durchaus komischen Momente irgendwie gehemmt wirken. Und genau da wird der halsbrecherische Spagath von Assous deutlich. Dem in seiner „Achterbahn” zwei Dinge besonders wichtig sind: „Den Zuschauer in Atem zu halten und Drama und Komödie zu verbinden.” (Obwohl im deutschen Sprachgebrauch die eine eine Spielart des anderen ist.) Aber das ist eben auch der Spagath zwischen Dramödie und Koma. Natürlich kennen wir nicht nur Tragödien als Drama. Die Dramedy hingegen wird mit „ausgewogenem Anteil von Humor und Seriosität” charakterisiert.

Eloquenz und Rabulistik

Da ist es eben unglaublich schwer, die Balance zu finden - und dabei zu unterhalten. Damit wir bei allem spontanen Wortwitz und typisch femininer Rabulistik dann auch noch was fürs Gemüt und Gewissen mit nach Hause nehmen, entpuppt sich schließlich die scheinbare Zufallsbekanntschaft als rachelüsternes uneheliches Töchterlein des Hauptakteurs, das ihn nach moralisierender Standpauke in ihre zarten Arme schließt.

Schauspieler und/oder Stück?

Schon bei der Uraufführung konnte sich Assous übers ausverkaufte Theater in Paris freuen. Hauptdarsteller damals: Alain Delon. Und auch hier in Lennestadt beschlich der leise Verdacht: Sorgte wirklich das Stück für langanhaltenden Beifall des zufriedenen Publikums, oder war es die Leistung des Duos Schäfer/Bongartz, das die heimischen Theaterfreunde in Verzückung versetzte? Wahrscheinlich war es beides. Wobei sich über den jeweiligen Anteil von Stück und Akteuren trefflich streiten ließe.

Lennestadt, 25.01.2010, Werner Riedel
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